Panikattacken – fast schon ein „Volksleiden“

Ungefähr 12 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Panikattacken. Doch woher kommt das? Es kann konkrete Auslöser geben, wie eine schlechte Nachricht, die  Trennung von einem geliebten Menschen etc. Oft aber kommen sie von lang anhaltendem Stress (dazu muss er auch nicht besonders hoch sein) mit dem der Körper nicht mehr umgehen kann.
Angst ist eine Stressreaktion auf eine potentielle Gefahr. Sie aktiviert den Sympatikus im Gehirn, Adrenalin wird ausgeschüttet, die Verdauung wird eingestellt, die Beine werden besser durchblutet, der Herzschlag wird schneller. Energie für Kampf oder Flucht steht zur Verfügung.

Wenn die Angst nicht real ist, gibt es aber nichts zu kämpfen oder zu flüchten.
Die Energie muss anders abgebaut werden – eine Panikattacke kann entstehen.
Die Lösung liegt also nicht darin, die Panikattacke zu bekämpfen, sondern die Ursache!

Häufige Denkfehler bei Panikattacken:

  • Die Angst steigt ins Unermessliche
    Das geht nicht, die Angst steigt an, dauert in der Regel 15-20 Minuten, MUSS dann wieder runter gehen
  • „Ich werde gleich ohnmächtig“
    Falsch, wenn wir bei Gefahr ohnmächtig würden, wären wir schon ausgestorben. Selbst beim Hyperventilieren bekommt der Körper noch genug Luft
  • „Ich muss sterben“
    Falsch. Ziel der Angst ist es, aus der bedrohlichen Situation zu flüchten. Es gibt hier real aber keine Bedrohung. Es gibt keinen Grund die Situation zu verlassen.

Tipps im Fall einer Panikattacke

Aber Achtung: diese Tipps können eine Panikattacke eventuell verhindern oder unterbrechen. Aber sie beseitigen nicht die Ursache für Ihre Panikattacken.

Tipp 1: Machen Sie die folgende Atemübung:
Atmen Sie etwas tiefer ein als gewöhnlich und atmen Sie in einer einzigen fließenden Bewegung langsam wieder aus, d.h. ohne den Atem nach dem Einatmen anzuhalten. Wenn Sie ausgeatmet haben, halten Sie Ihren Atmen für ca. 6 bis 10 Sekunden an, indem Sie in Gedanken von 1 bis 10 zählen. Finden Sie selbst heraus, welche Zeit für Sie am angenehmsten ist. Nachdem Sie den Atem angehalten haben, atmen Sie wieder ein, atmen in einer Bewegung wieder langsam aus (ohne den Atmen anzuhalten) und halten ihn dann für weitere 6 bis 10 Sekunden an. Wiederholen Sie diese Atemübung für 2 bis 3 Minuten bzw. so lange, bis Sie sich deutlich entspannter und ruhiger fühlen.

Tipp 2: Kauen Sie Kaugummi oder Gummibärchen. Kauen baut Stress ab und hilft nachweislich bei der Reduktion von Angst. Viele Betroffene haben deshalb immer Kaugummi bei sich.

Tipp 3: Essen Sie etwas ganz scharfes oder extrem saures. Sehr gut ist ein Biss in eine Zitrone. Extreme Geschmacksempfindungen lenken unser vegetatives Nervensystem ab.

Tipp 4: Ablenkung durch Schmerz. Legen Sie sich ein Gummiband um den Arm. Sobald die Angst in Ihnen hochkriecht, lassen Sie das Gummiband mehrmals schnalzen, so dass Sie einen leichten körperlichen Schmerz verspüren.

Tipp 5: Ist jemand in Ihrer Nähe, mit dem Sie sich unterhalten können? Oder können Sie Jemanden anrufen? Dann tun Sie es.

Tipp 6: Singen Sie so laut Sie können. Haben Sie ein Lieblingslied oder eine „Hymne“? Dann geht es noch besser. Diese Strategie nutzen viele Betroffene erfolgreich, um sich von ihren ängstlichen Gedanken und Gefühlen abzulenken.